Nikolai Vogel / nachwort.de

home » was bisher geschah » Februar 2005

Februar 2005


Sonntag, 27. Februar 2005

Turdus philomelos

Das wilde Treiben des Schnees, all die Tänze der Flocken. Ein schneeverwehtes Dachfenster, wie überzogen von eingeschmolzenem Plastik. Ein Vogel, aufgeplustert im Wintergefieder, sitzt auf dem darüber liegenden Dachfirst, halb versunken wie auf einem Kissen, schaut ungläubig hoch in die Luft. Um ihn schleiert der Wind die Kristalle.

NV am 27.02.2005 um 16:05 »


Mittwoch, 23. Februar 2005

Feiner Staub, Interieur

Draußen rollen die Autos unaufhörlich ihr Gift in die Luft. Unter dem grau abgestuften Himmel matt schimmernder Schnee liegt auf den Dächern wie Schaumstoff, Wolkenauswurf, Abfall, Dachrinnenwülste.

Nachmittags kommt ein blasses Blau durch und der Schnee nimmt ein wenig davon an.

Eisvogel und Monolake.

NV am 23.02.2005 um 17:46 »


Samstag, 19. Februar 2005

Die Eindrücke der Tage, wie die Spuren im Schnee

Donnerstag Abend erst Stillleben am Promenadenplatz, Hinter der Stille, Gruppenausstellung, eine Vernissage, voll wie in der U-Bahn um 17:30. [weiter]

NV am 19.02.2005 um 01:12 »


Freitag, 18. Februar 2005

Entlastung

Das Geld aus Berlin wurde noch am Tag der Reklamation zurückgebucht, wahrscheinlich war es schon vorher korrigiert (vgl. "Behältnisse" vom 15.2.05) - Softwarestreich? Der Automat als zarte Pflanze. Und wie eine Werbung für die Lektüre der Kontoauszüge.

NV am 18.02.2005 um 19:50 »


Helles auf Bildern

Mittwochs im Haus der Kunst die Vernissage "bilder für deutsche museen" von Florian Süssmayr bei großem Andrang. Chris Dercons einführende Rede machte auf mich stellenweise fast den Eindruck einer argumentativen Entschuldigung, wiederholte mehrmals, dass Süssmayr eine "schwierige Kunst" male, vielleicht um zu überspielen, dass sie doch so zugänglich ist, als müsse man dem Großkunstgourmet mittels dieser postulierten Schwierigkeit die Handschuhe reichen, damit er sich an der archaisch anmutenden Alltagsgegenständlichkeit, oft Sujets aus dem übernächtigten Blick, nicht reibt. Die derzeit in der Ausstellung "Favoriten" im Kunstbau des Lenbachhauses gezeigte Werkgruppe mit den Biertischlandschaften, aber eben ohne die Tische, die Objekte stehen auf abstrakteren, fast monochromen Flächen, so dass sie etwas beinahe Schwebendes bekommen, lockten mich mehr als etliche der nun im Haus der Kunst gezeigten Bilder. Und wieso die Wittgensteinportraits? Alles, was der Fall ist, malen, auch das, wovon man nicht sprechen kann? Die Hängung hat etwas provisorisches, diagonal gestellte Pressholzwände, schwieriger Raum nach wie vor. Manches, wie die Sprucheinritzungen auf Acryl hinter Glas oder die gemalten Brauerei-Schiefertafeln, hängt in Kneipen wie dem X-Cess besser, wo es als Kunst erst nicht auffällt, man zweimal hinsehen muss.

NV am 18.02.2005 um 01:05 »


Mittwoch, 16. Februar 2005

Balkon 3 Uhr früh

Die helle Nacht, fast cremeweißer Himmel, vererbtes Porzellan, der reflektierende Schnee neu gefallen.

NV am 16.02.2005 um 03:11 »


Dienstag, 15. Februar 2005

Behältnisse

Schon in der Früh zur Bank. Reklamation. Das Geldabheben von einem Automaten am Berliner Ostbahnhof wurde zweimal von meinem Konto abgebucht. Gibt's das! Und ich dachte, Berlin sei eine billige Stadt.

Der Himmel blassblau als hätte er lange keine Sonne gehabt, müsse erst Farbe bekommen. An der Tramstation ein beharrliches Hupen in der Luft. Ein Taxi steht mit aufgerissenen Öffnungen warnblinkend da wie im Asthmaanfall, Ventolin, drei Leute hilflos daneben, wühlen im Kofferraum, wühlen im Motorraum, aber das Hupen dauert an. Erinnerung an eine neulich am Straßenrand neben anderen stehende Mülltonne, auf der in großen, weißen Klebelettern "ZAHNWEH" stand. Das Geheimnis der Tage.

NV am 15.02.2005 um 23:10 »


Montag, 14. Februar 2005

Auf Gleisen

Ein weißgrauer Himmel schält sich aus der Nacht, feines Geflöck in der Luft, an den Stationen schneit es horizontal durch die Trambahntüre, stöbert durch den Innenraum, und die noch neuen Holzsitze knacken wie Scheite im Kamin. Später werden sich die Wolken ins Blau lösen und Vögel singen wie Frühling.

Samstags im Lothringer-Laden Vernissage der Biotopie von Judith Eggers Institut für Hybristik und empirische Schwellkörperforschung. [weiter]

NV am 14.02.2005 um 21:27 »


Mittwoch, 9. Februar 2005

Handelswege

Wieder zurück in Schneegefilden - in Berlin lag keiner. Zum Überqueren der Straße über gefrorene Schneehaufen steigen.

Die Fotografien von Daniel Schwartz in der neuen "du", Seidenstraßen.
Die Globalisierung begann mit der Schneeschmelze in der Dsungarischen Pforte. [weiter]

NV am 09.02.2005 um 23:24 »


Montag, 7. Februar 2005

Entdeckungen

Samstag. Den Zug um 6:35 nach Berlin. Auf der Straße jemand, der im Zick Zack ruft Mama, ich liebe dich, von seiner Begleitung weitergezogen wird. Der Weg zum Bahnhof. Gerade erst ein paar mehr unterwegs aus den Betten als unterwegs in die Betten. Obwohl fast alle müde wirken, lassen sich die Gruppen gut unterscheiden, die Bewegungen der zweiten sind phantasievoller.

Der Tag wird klar, die Sonne schiebt ein aus der Nacht steigendes, tief blaues Lila vor sich her, bevor sie selbst erscheint. [weiter]

NV am 07.02.2005 um 21:06 »


| Seitenanfang |

home
was bisher geschah

S M D M D F S
  12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728