Nikolai Vogel / nachwort.de

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Oktober 2007


Mittwoch, 31. Oktober 2007

In den November

Nach dem Regen der Wind. Die Zypressen werden seekrank und fächern ihre Spitzen auf. Das Wetter lässt sich etwas einfallen. Die gleichförmigen Tage sind vorüber.

NV am 31.10.2007 um 12:19 »


Dienstag, 30. Oktober 2007

Abends Pasta

Ein Manuskript verschicken. Bilder ansehen. Durch die Stadt laufen im Regen. Den Kalender für nächstes Jahr kaufen. Und glacierte Maronen.

NV am 30.10.2007 um 19:59 »


Donnerstag, 25. Oktober 2007

Ausgang

Alte Weine, zurück bis 1964. Ein gutes Chianti-Jahr. Im Boboli-Garten ein unbewegter Reiher. Regen in der Stadt. Schirme und trotzdem mehr Platz als sonst.

NV am 25.10.2007 um 16:36 »


Mittwoch, 24. Oktober 2007

Überliefert

[Freitag, 19.10.:] Leonardos Geburtshaus umgeben von Olivenbäumen, die Oliven schön grasig und scharf. In Vinci die zwei Museen abgegangen, Maschinennachbauten, Handschriftenfaksimiles, Werke von Leonardos Schülern, Devotionalienkitsch. Herum durch die Landschaft, der Apennin blau, die Wolken bekannt aus Gemälden. Mittags so viel gegessen. Autobahnstau, sonniger Himmel, Müdigkeit. Ins Bett, unter die Dusche. Ins Internet kein Weg, die Villa Romana ist offline. Abends Lesung zusammen mit Ingo Schulze im Ägyptischen Zimmer. Zehn Seiten "Plug In" ins Italienische. Danach Briefe aus "Neue Leben". Gekochte Maronen. Nachts noch ein Glas Wein. Der Blick auf den Dom. Die kalten Metallstühle auf der Dachterrasse. Der Herbst bringt seine Winde ins Spiel.

NV am 24.10.2007 um 15:38 »


Dienstag, 23. Oktober 2007

Dein Haus und mein Haus

Den Tag vor vorgestern, vorgestern und gestern "Das Haus" von Mark Z. Danielewski gelesen. Da gibt es in einem Zimmer plötzlich einen neuen Gang und dann zweigt da wieder einer ab und es wird immer größer. Und im Buch wuchern Fußnotenlabyrinthe. Der Text tarnt sich als Film und nimmt seine Interpretationen vorweg und mithinein. Gleichzeitig führt er das Interpretationswesen vor. Niemand macht sich daran, wirklich über das eigentlich Eigenartige, Unheimliche zu schreiben, sondern alle benutzen die Vorfälle, um ihre eigenen Theorieansätze und Themen ins rechte Licht zu rücken (ganz ähnlich wie ich das für einen anderen verschachtelten, wenngleich viel kürzeren und dabei unglaublich dichtem Text schon mal ausführte, in meinem Buch "E.T.A Hoffmanns 'Der Sandmann' als Interpretation der Interpretation"). Der Text ist das Haus und die Interpretationen sind das, was immer neue Wege und Räume darin aufmacht, es ins Unermessliche wachsen lässt und fortwährend umschreibt. Die Interpretationen und ihre Theorien sprechen nur über das, was sie interessiert, das, was sie sehen können - und wenn sie nichts sehen können, sprechen sie eben über sich selbst. Das Buch verhält sich dabei wie das anomale Haus, es dreht sich weg, ändert die Lage, verschiebt sein Bedeutungsgefüge, nimmt die eigene Lektüre mit auf und wischt sie wieder weg. Die Hauptfigur liest das Buch in einer Passage sogar selbst, wozu sie es aber gleichzeitig verbrennen muss, da sie im Dunkeln bleibt - Vorgabe eines verrückten Lektüretempos. Etliche Seiten fließen dem normalen Satz davon, auch der Satzspiegel verschiebt, verlagert sich, dehnt sich aus, zieht sich zusammen.

Da haben Kilian Fitzpatrick und ich, als wir exakt zum Jahreswechsel 1999/2000 "Welt II" vorlegten, also gleichzeitig mit Ähnlichem gespielt. Und auch inhaltlich ebenfalls durch eine Anomalie angetrieben, nur dass bei "Welt II" eher die Zeit als der Raum immer neue Falten wirft - Gegenwart.

Als Thor Kunkel auf seiner Lesung bei Season II im Juli 2005 "Welt II" und seine verschachtelte Typographie sah, wies er mich auf Danielewskis Haus hin, das er im Original gelesen hatte, und erzählte, er habe schon viele Lektoren hierzulande auf diesen wahnwitzigen Roman aufmerksam gemacht, aber es habe niemanden so wirklich interessiert, zu verspult, als dass man glaube, das würde sich verkaufen. Jetzt, sieben Jahre nach Erstveröffentlichung, erscheint der Brocken also doch noch auf Deutsch, in einer sehr schönen Ausgabe, und es sieht so aus, als verkaufe er sich. Nur der Bucheinband mit seiner Collage gefällt mir nicht so gut, in schlichtem Tiefschwarz wäre er mir lieber gewesen, das Buch als ein dunkler Ziegel.

Und Kilian und ich erhalten für unseren neunteiligen WeltII-Nachfolger "Mond0", von dem die ersten vier Bände als Beta-Versionen vorliegen, den Bayerischen Kunstförderpreis. Vielleicht bekommt neben konventionell, langweiligem Mainstream also nun endlich auch Experimentelleres wieder mehr Aufmerksamkeit. Und vielleicht finden wir dafür dann sogar einen Verleger ...

NV am 23.10.2007 um 20:40 »


Samstag, 13. Oktober 2007

Nach Rom

mit der Bahn. In die Geschichte tauchen, während andere beginnen, das Leben umzuschreiben. Was gesagt ist, was gesagt wird. Das Leben ist pathetisch, groß. Zwanzig Minuten Verspätung. Vier Nächte in einem kleinen Gästezimmer mit Bullauge, Villa Massimo, linker Flügel. Der Flugverkehr über dem Park. Viele Kinder, die kleinen Fahrräder im Kies. Die Studios eine Reihenhaussiedlung. Die langsamen Busse. Ein ganzer Tag mit dem Gepäck. Keine Schließfächer im Termini, nur lange Wege, die Gepäckaufbewahrung ein nicht abgewartetes Geduldspiel. Schlangen, Wartezeiten. Apoll und Daphne. Trompe-l’oeil. Wein aus Flaschen, Wein aus Gläsern, Kaffee im Stehen. Die vergehende Zeit, die hier liegenbleibt, damit sie betrachtet wird. Von der Villa Massimo zurück in die Villa Romana. Von der Antike in die Renaissance. Fenster auf. Die angespülten Mails. Aus dem Tisch, an dem ich schreibe, rieselt das Sägemehl der Holzwürmer, die darin wohnen.

NV am 13.10.2007 um 17:35 »


Samstag, 6. Oktober 2007

Aussuchen

Weine, die in den Keller kommen. Bücher, die ich lesen will. Räume, die sich auftun. Danielewskis "Haus". Vasaris "Lebensläufe". Da Vinci, Pontormo, Rosso Fiorentino.

NV am 06.10.2007 um 16:30 »


Freitag, 5. Oktober 2007

Im Auf und Ab der Temperatur

Serien, Bilder. Radio zum Frühstück, Kaffee und Feigenmarmelade. Besuche vorbereiten, Reisen vorbereiten, die nächsten Monate. In einer Mail werde ich über Johannes Urzidil befragt und mache mich auf die Suche. Ein da Vinci kehrt zurück.

NV am 05.10.2007 um 16:27 »


Mittwoch, 3. Oktober 2007

Wäsche im Garten

Hinaus unter die Sonne. Der Körper will die noch einmal warmen Mittage spüren. Schon Herbstlicht. Transparent, intensiv, die kürzeren Tage.

NV am 03.10.2007 um 18:00 »


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