Nikolai Vogel / nachwort.de

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August 2006


Donnerstag, 31. August 2006

Höhlenbewohner

Aber wer hat sich wirklich an den Wecker gewöhnt? Was alles getan wird. Um Zeit zu fällen. Gekappte Träume. Und ein Gummibärchen zieht eine Plombe. Gold, das ich ungläubig in der Hand halte. Hin und her drehe. Höhlenbewohner.

NV am 31.08.2006 um 18:04 »


Der nächste Tag

Die Nacht leuchtet. Schlaf und späte Menschen.

NV am 31.08.2006 um 00:52 »


Mittwoch, 30. August 2006

Atemfahnen bleiben noch aus

Wärmster Juli, kältester August. Das Wetter auf Achterbahn, sensationslüstern, effekthascherisch. Der Wind bläst liegen gebliebenen Regen von den Bäumen. Die Sonne holt Bodennebel aus aufgeweichten Wiesen.

NV am 30.08.2006 um 14:41 »


Dienstag, 29. August 2006

Atomenergielesezeichen und Sechser im Lotto

Spätes Frühstück, draußen beinahe abregnende Wolken, der August im Herbst. Die Gefriere vibriert und nichts kann sie mehr davon abhalten, es sei denn, man nimmt ihr den Strom, zieht den Stecker, trennt sie vom Netz - das Auftauen der Waren, Klimaerwärmung. Ein lange nicht gehörtes Lied im Radio, das einen jünger macht und älter zugleich. Jünger, weil man in der Erinnerung zurückkommt, älter, weil es so lange her ist. Das Kaffeewasser kocht, dann klickt der automatische Abschalter. Dennoch bereits fast wieder zu viel Kalk. Mit der Zunge über die Zähne - jetzt schüttet es draußen - auch der Zahnarzt steht wieder an, einen der kommenden Monate. Die Zeitung aufschlagen und das Besteck. Das Buch kommt nicht. Wann? Der Papst zeigt sich mit der Kanzlerin. Im Zeitungsladen ein Los, einfach so. Und erzähle dem Besitzer, dass ich noch nie Lotto gespielt habe. Er schüttelt den Kopf. Ob es schon große Gewinne bei ihm gab, will ich wissen. Er nickt. Sechser? Ja ja. Die freuen sich dann schon, frage ich. Die ziehen dann alle weg, sagt er. Blue Monday am Dienstag. Zurück aus Erlangen vom Poetenfest. Das Wetter gehalten am Samstag um zehn abends. Die Welt und den Mond auf die Leinwand hinter der Bühne. Einatmen. Ausatmen. Und die Nächte bis sechs morgens. Tags im Schlossgarten bei Sonne und Regen und Wind, eine Abwechslung, ein Hoch-Tief der gelesenen Texte. Sonntag Abend Mayröcker. Das Publikum stürmt den Büchertisch wie Schlussverkauf. Eine Signatur und noch eine. Heiligenverehrung, Popstar. Die Sehnsucht nach der Ikone. Berühre mich und erlöse mich von dem Bösen. In der Autorenmappe mit dem Programm auch eine Karte des Hauptsponsors mit Werbegeschenk. "Dieses Lesezeichen wurde mit derselben Lasertechnik aus demselben Material gefertigt wie die hochpräzisen Strukturteile unserer Brennelemente." Leicht zu verbiegen. Aber Lesezeichen müssen nicht präzise sein, das bloße Verblättern der Seiten können wir uns leisten. Hauptstrom Beuys pflanzt Eichen. Mehr Sonne. Im Schlossgarten wütet der Prozessionsspinner. München bereitet sich auf den Papstbesuch vor. Endlich weichen die Löwen. Beim Öffnen eines großen Bildes verabschiedet sich mein Computer, nimmt eine kurze Auszeit, kommt wieder hoch. Irgendein Problem mit den Treibern? Das Rechenzentrum entgleitet, der Prozessor stellt auf Autismus. Director's Cut. In den Mails eine "Telekom"-Rechnung über 8100 EUR. Mit angehängtem Virus oder Trojaner. Gezippt. Ein Reißverschluss, den ich nicht öffne. Und der an meiner Regenjacke, die ich zum Radfahren anziehe, klemmt immer wieder.

NV am 29.08.2006 um 18:24 »


Samstag, 19. August 2006

Favorit Freitag

Musik und Menschen. Eine Vielzahl gleichzeitiger Gespräche und sich leerende Gläser. Tastende Blicke. Wir schauen uns ein Gesicht an, jeder für sich, und bilden ein Urteil. Schnell. Wir revidieren es vielleicht später, wenn die Züge vertrauter werden, von innen heraus. Nur: welche Gesichter mögen wir, welche nicht, und woher kommt die Abneigung, woher die Lust?

Ein sehr gestyltes Mädchen schiebt sich durch die stehenden Menschen, geht, Handy am Ohr, hinaus - kommt nach einer Weile zurück, schiebt sich voran, das Handy fängt zu leuchten an, wechselt wieder die Richtung, geht hinaus. Spielautomaten. Wie einstudiert sind Handlungen? Und was ist ihr Bezug zur Plötzlichkeit?

In einer Gruppe um mich herum, versuchen sie der Reihe nach, einhändig ein Zündholz anzuzünden.

Nach Mitternacht werden wir allmählich weniger. Der Boden wird sichtbar. Die eingetretenen Zigarettenstummel.

Das Fahrrad steht noch, abketten, heimtreten, stillere Straßen.

Der Mond hängt schmalbrüstig in der Nacht.

Und unsere Gefriertruhe virbriert immer lauter. Ein Eigenleben sich berührender Teile.

NV am 19.08.2006 um 22:53 »


Montag, 7. August 2006

Ein Schattenspiel vorüberziehen (in Platons Höhle)

Ein Himmel bei dem die Gallier immer Angst bekamen, er falle ihnen auf den Kopf. Der Mittag will heute lichttechnisch und dramaturgisch mit Mitternacht mithalten. Die zerlaufenden Wolken legen sich mächtig ins Zeug. Zum ersten Mal von der neuen Rechtschreibung geträumt. Genaueres weiß ich nicht, aber war es nicht etwas mit Getrennt- und Zusammenschreibung? Und dann ein Virus im Laptop - also im Traum - "Uhu" hieß der Virus. Er uhute immer wieder und dazu wurde der Screen schwarz. Gestern beim Bergaufradeln vor den Augen so flimmrig. Stroboskop. Der Puls. Auch DSL hat etwas Halluzinatorisches.

NV am 07.08.2006 um 18:40 »


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