Nikolai Vogel / nachwort.de

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April 2005


Sonntag, 24. April 2005

Platten und Bücher und Menschen

Vor einer Woche sonntags das Open Mic in der Weltwirtschaft zum vielleicht vorletzten Mal? Ich legte auf und las einige Einträge aus nachwort.de. Unvermeidlich wieder Vortragende, die kaum dass sie dran waren mit ihrer ganzen Clique wieder gehen, man interessiert sich nur für sich selbst. Es funkt nicht mehr so recht, trotz des sprühenden Gastmoderators Tommy Schmidt, und die Räumlichkeit ist nicht arg geeignet zur Konzentration. Nächste Woche die Wortspiele. Jetzt die neue Platte von Autechre, untilted (im schönen Verlesewortspiel mit untitled), Verschiebung der Muster, Bewegung der kleinen Differenzen. Donnerstags erst denkmalfarbig im Haus der Kunst, dabei ein o.T. von Silke, Vernissage voll wie die U-Bahn, Mischhängung vor grauen und weißen Wänden, Weißwein, Rotwein, Wasser, dann spät zu Bewegungsfreiheit ins Literaturhaus, Bernd Lichtenberg getroffen, aber seine Lesung verpasst. Samstags fotografierte mich Tobias Kraus im Zimmer vor meinem Fenster gegen das Licht. Tags die Isar entlang in einen kleinen Biergarten, Zeitung lesen unter zuziehendem Himmel. Später Abendgäste bei uns, und noch später wir bei anderen. Unterhaltungen über Frauen und Männer.

NV am 24.04.2005 um 17:29 »


Samstag, 9. April 2005

Windröschen

Der Papst als Live-Legende. Wahrscheinlich ist nun mit Johannes Paul II. der Mensch gestorben, den bislang in der gesamten Weltgeschichte die meisten Menschen gesehen haben - echt vor sich im Raum gesehen, nicht lediglich in Fernseh- und Printmedien. Auch daher das Gefühl vieler, ein Bekannter sei verstorben. Im Petersdom der zum Kreuz stilisierte Besucherstrom zum aufgebahrten Leichnam.

Anemone, Löwenmäulchen, Kleine Gerbera, Ringelblume. Blumen zu Season II fürs Vorprogramm vor Guy Helminger aus "Etwas fehlt immer".

Donnerstags mit Johan im Puck. Wetterromanbesprechung. Abends U-Bahnhof-Uni. Gegen die aus den Lautsprechern plätschernde Weichspülklassik Venetian Snares Rossz Csillag Alatt Született aus der Minidisc. Zu Annapril in die Blumenstraße, im ehemaligen Magazin. Auf dem Infoscreen Sendung mit der Maus Zeichentrick. Funktioniert nicht ohne Ton, das Geklapper des Lidblinzelns geht ab. Hunger. Unterwegs vor der U-Bahn in der Germanistik aufs WC. Die Semesterumgebung vergangener Jahre. Kurz vor zehn. Dann als ob die Ausgänge verriegelt wurden. Nur die Eingangstüre führt aus dem Gebäude, die Ausgänge sind zu. Entrückte Zeitungsleser im Zug. Werbeprospekte, Laptops. Am I not part of your live anymore? U-Bahn-Wache in dicken, blauen Anoraks, einen alten Mann mit weißer Kappe zwischengehackt zum Aufzug führend. Entschlossenheit mimend. Passanten, die im Zwischengeschoss stehen wie auf Leben wartend, teilnahmslos. Rolltreppenanspringtest. Gehoben nach oben. Verwaiste Glascontainer.

Bei Annapril Loftatmosphäre. Glatte, inszenierte Bandfotos von George Dubose an den Wänden. Im Keller Schaukeln mit Sitzflächen aus dem Olympiastadion. Viel los. Wasser aus Tetrapacks.

Regen. Auch in der Früh schluckt mich die U-Bahn. Horse and Goat. Die Anwesenheitsbestätigung vom Arzt auf die Minute. 8:47 bis 9:26. Wir sind genaue Wesen. Die Zeit programmieren. Die Rolltreppen am Bahnhof wie Ameisenstraßen. Körperknäuel in den Zwischengeschossen.

Freitags Web-Übertragung des Vatikanischen Fernsehzentrums, aus dem Apostolischen Palast von einem der 30 Großrechner des Vatikans, die, wie ich las, nach den Erzengeln benannt sind. Der Altar schaut aus wie eine liegende Bibel im Schuber, der angenehm schlichte Sarg davor. Kardinal Ratzingers überraschend schöne Stimme bei den Fürbitten.

NV am 09.04.2005 um 16:58 »


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